Warum Hunde nicht nach 17 Uhr füttern? 5 Gründe [2021]


Hunde sollten nicht nach 17 Uhr gefüttert werden, weil es die Schlafqualität senkt, zu Übergewicht führt und feste Routinen erschwert. Zudem sorgt es dafür, dass der Hund nachts rausmuss und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht wird.

Das sind zumindest die Aussagen einiger Hunde-Magazine. Aber stimmt das wirklich? Meiner Meinung nach ist diese Empfehlung etwas überspitzt und nicht gerechtfertigt.

Denn ja, einen Hund zu spät zu füttern ist definitiv schädlich. Aber wann genau “zu spät” ist, hängt vom jeweiligen Lebensstil, dem Schlafrhythmus und der Gassizeit ab.

Im Folgenden lernst du über die 5 stärksten Argumente für eine Fütterung vor 17 Uhr, welche Konsequenzen das hat und was es für die Praxis bedeutet.

#1 Senkt die Schlafqualität

Lass uns hier zunächst einen Mythos widerlegen. Denn häufig wird behauptet, dass der Magen des Hundes nachts still steht und dann das Futter unverdaut im Bauch liegt.

Das stimmt nicht. Der Magen hat keinen Ausschalter. Selbst bei einer Mahlzeit kurz vor dem Schlafengehen wird diese also noch im Schlaf verdaut. Nur eben langsamer. [1]

Das Problem dabei ist viel mehr, dass dadurch die Schlafqualität des Hundes sinkt. Dieses Phänomen hast du sicher auch schon bei dir selbst erlebt.

Wenn du beispielsweise spät gegessen hast, danach volle 8 Stunden geschlafen hast und trotzdem total unausgeruht und übermüdet aufstehst. Nicht war?

Hund am Fressen

Bei Hunden ist das nicht anders. Nur dass sie in aller Regel nicht zur Arbeite gehen müssen. Aus diesem Grund empfehlen manche auch Hunde nicht nach 17 Uhr zu füttern.

Was viele dabei jedoch vergessen? Die Zeit von der Nahrungsaufnahme bis zur Ausscheidung ist bei Hunden um ein Vielfaches kürzer als bei Menschen.

Während es bei Menschen durchschnittlich zwischen 20-30 Stunden dauert, beträgt diese Durchgangszeit bei Hunden nur 6-8 Stunden. Sie ist also mehr als 70 % kürzer. [2]

Der Großteil der Verdauung ist bei Hunden jedoch bereits nach 2 Stunden getan. Aus dem Grund wird auch empfohlen, nach dem Fressen erst nach rund 2 Stunden Gassi zu gehen.

Wenn du mit deinem Hund um 20 Uhr rausgehst, dann könntest du ihn also auch problemlos nach 17 Uhr noch füttern. Ein “Richtig” oder “Falsch” gibt es hier nicht.

Eine Fütterung nach 17 Uhr kann unter Umständen die Schlafqualität des Hundes senken, weil der Verdauungstrakt die halbe Nacht mit der Verdauung beschäftigt ist. Das gilt aber nur dann, wenn die Zeit zwischen der Fütterung und der Schlafenszeit weniger als 2 Stunden beträgt.

#2 Macht übergewichtig und fett

Beim Thema Abnehmen hält sich nach wie vor der Mythos, dass spätes Essen und insbesondere Kohlenhydrate am Abend fett machen.

Der Gedanke dahinter klingt auch zunächst logisch. Denn durch die Ernährung wird neue Energie aufgenommen, die anschließend nicht verbraucht werden kann.

Folglich wird die überschüssige Energie in Form von Fett eingelagert. In Wirklichkeit spielt der Zeitpunkt allerdings eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist, was der Hund frisst.

An Mäusen konnte bereits nachgewiesen werden, dass das Fressen außerhalb des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus zu einer Gewichtszunahme führen kann. [3]

Hund mit Futter

An Menschen waren die bisherigen Studienergebnisse jedoch gemischt. An Hunden gab es dazu noch keinerlei Untersuchungen. Es gibt zudem noch weitere Unterschiede.

Denn während Menschen spät am Abend primär zu hochkalorischem Essen greifen wie Chips oder Crackers, so haben Hunde nur ihr alltägliches Hundefutter zur Wahl.

Einen Hund nach 17 Uhr nicht zu füttern, weil er sonst übergewichtig wird, ist daher Unsinn. Viel wichtiger ist die tägliche Kalorienbilanz sowie die Anzahl der Mahlzeiten.

Oder anders ausgedrückt: Nimmt dein Hund im Schnitt mehr Kalorien zu sich, als dass er verbrennt, dann wird er an Gewicht zulegen. Das Gleiche gilt aber auch umgekehrt.

Einige Studien weisen zudem darauf hin, dass regelmäßige kleine Portionen bei Hunden einen größeren Sättigungseffekt haben als wenige große Portionen. [4]

Entgegen sämtlicher Mythen machen späte Mahlzeiten bei Hunden nicht fett. Eine viel wichtigere Rolle spielt hier die Einhaltung der Kalorienbilanz sowie die Regelmäßigkeit. Dass Hunde deshalb nicht nach 17 Uhr gefüttert werden sollten, ist mehr ein Mythos.

#3 Sorgt für nächtliche Klopausen

Jeder frische Erstbesitzer kennt das Gefühl, wenn dich dein Hund mitten in der Nacht aufweckt, weil er nach draußen muss. Es gibt definitiv Schöneres.

Die Frage lautet also: Wann solltest du deinen Hund abends füttern, damit er nachts nicht rausmuss? Grundsätzlich solltest du den Vierbeiner noch vor dem Gassigehen füttern.

Denn insbesondere sehr junge Hunde müssen sich häufig bereits nach 5-30 Minuten entleeren. Bei älteren Hunden kann es auch zwischen 30 Minuten und 6 Stunden sein.

Hund frisst

Das merkst du meist daran, dass sie sichtlich unruhig werden, zu jaulen beginnen oder dein Hund dich anspringt. Idealerweise sollte die Verdauungspause 1-2 Stunden betragen.

Denn dadurch soll das Risiko einer lebensgefährlichen Magendrehung verringert werden. Einen Hund deshalb nicht nach 17 Uhr zu füttern ist allerdings unbegründet. [5]

Anstatt einer fixen Uhrzeit geht es hier vielmehr um die Zeitspanne zwischen der Mahlzeit und dem letzten Gassigehen. Hier unsere Empfehlungen im Überblick:

SchlafenszeitGassizeit
(-1 h)
Fütterungszeit
(-1,5 h)
23 Uhr22 Uhr20:30 Uhr
22 Uhr21 Uhr19:30 Uhr
21 Uhr20 Uhr18:30 Uhr
20 Uhr19 Uhr17:30 Uhr

Sollte das nicht helfen oder gar dein Hund nachts ins Haus machen, dann rate ich direkt vor dem Schlafengehen nochmal kurz Gassi zu gehen.

Bei sehr jungen Welpen kann aber auch das teilweise nicht helfen. In diesem Fall kannst du mit solchen wiederverwendbaren Windeln eine Sauerei im Haus vorbeugen.

Wenn Hunde zu spät oder gar nach dem Gassigehen gefüttert werden, dann müssen sie häufig selbst mitten in der Nacht raus. Pauschale Aussagen, wie dass Hunde nicht nach 17 Uhr gefüttert werden sollten, sind aber in den meisten Fällen weder sinnvoll noch begründet.

#4 Erhöht Risiko von Erkrankungen

Durch eine frühe letzte Mahlzeit soll unter anderem gewährleistet werden, dass der Hunde seine aufgenommene Energie sofort wieder herauslassen kann. Zumindest teilweise.

Aus diesem Grund wird auch häufig empfohlen, Hunde nicht nur eine große Mahlzeit zu geben. Denn mehrere kleinere Mahlzeiten verringern die Wahrscheinlichkeit von Blutzuckerspitzen.

Hohe Blutzuckerwerte beim Hund sind deshalb gefährlich, weil es langfristig die Gefäßwände schädigt und zu Diabetes führen kann. Zudem führt eine einzige Mahlzeit oft zu Schlingen. [6]

Aber das allein reicht noch nicht aus, um von der Fütterung nach 17 Uhr abzuraten. Oftmals kommt es durch eine so lange Fütterungspause auch zu einem morgendlichen Erbrechen.

Das ist vor allem bei Hunden mit einem sensitiven Magen der Fall, wenn sie länger als 12 Stunden über die Nacht fasten. Zu erkennen ist es an einem gelblichen Schleim.

Hund bei der Fütterung

Neueste Studien an Menschen konnten auch bereits einen Zusammenhang zwischen späten Mahlzeiten und dem Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweisen. [7]

Ob hier ein kausaler Zusammenhang besteht, ist aber noch fraglich. Zudem ist unklar, ob diese Ergebnisse auch auf Hunde übertragbar sind. Untersuchungen dazu stehen noch aus.

In jedem Fall sollte zwischen der Fütterung und exzessiver körperlicher Belastung eine längere Verdauungspause eingelegt werden, um eine Magendrehung vorzubeugen.

Aber auch das hat nichts mit der Uhrzeit zu tun. Vielmehr geht es darum, die Zeitabstände zwischen dem Füttern, dem Gassigehen und dem Schlafengehen zu berücksichtigen.

Wenn Hunde nicht nach 17 Uhr gefüttert werden, dann soll das Blutzuckerspitzen verringern und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. In es fehlen dazu aber in beiden Fällen bislang aussagekräftige Studien. Die konkrete Uhrzeit scheint hier weniger wichtig zu sein.

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#5 Keine feste Routine

Wölfe und andere frei lebende Hunde sind vollkommen für sich selbst verantwortlich. Haushunde sind dagegen zu 100 % von ihrem Besitzer abhängig.

Du bestimmst daher selbst wie sicher oder auch unsicher sich dein Hund fühlt. Um Stress und Ängste zu verringern, wird deshalb eine feste Routine empfohlen:

  • Fixe Futterzeiten
  • Fixe Stuhlzeiten

Alle anderen Bedürfnisse wie Aufmerksamkeit, Beschäftigung und Auslauf können relativ flexibel sein. Aber das Futter und das anschließende Geschäft sollten fix sein.

Hund beim Fressen

Aus diesem Grund werden auch häufiger pauschale Ratschläge gegeben, wie dass man mit seinem Hund nicht nach 20 Uhr raussollte oder ihn nicht mehr nach 17 Uhr füttern sollte.

Konkrete Uhrzeiten sind hier aber unbegründet. Vielmehr geht es bei der Futterzeit darum, dass dein Hund gewiss weiß, dass er rechtzeitig Futter bekommt und nicht betteln muss.

Auch bei der fixen Gassizeit geht es einzig und allein darum, dass unnötiger Stress reduziert wird. Weil dein Vierbeiner eben genau weiß, dass du mit ihm rausgehen wirst.

Zudem erhöht es die Wahrscheinlichkeit, dass der Stuhlgang auch wirklich klappt und du nicht vergebens auf der Wiese hin und her laufen musst. [8]

Allgemeine Empfehlungen, wie dass Hunde nicht nach 17 Uhr mehr gefüttert werden sollten, werden häufig zur Erstellung einer Routine gegeben. Wichtig ist aber nicht die konkrete Uhrzeit, sondern vielmehr, dass sich dein Vierbeiner stets auf dich verlassen kann.

Wie oft Hunde füttern?

Hier ein paar weiterführende Tipps zur Fütterung. Bei kleinen und sehr große Rassen werden oftmals mehr Mahlzeiten empfohlen, da sie meist sensitivere Mägen haben.

Anzahl der
Mahlzeiten
Alter
< 4 Monate
Alter
4-6 Monate
Alter
> 6 Monate
Kleine Rasse4-53-42-3
Mittelgroße Rasse3-42-31-2
Große Rasse3-42-31-2
Sehr große Rasse4-53-42-3

Es gibt aber auch mehrere Ausnahmen, in denen mehr oder weniger Mahlzeiten sinnvoll sein können:

  • Mehr Mahlzeiten? Wenn der Vierbeiner schlingt oder chronische Blähungen hat.
  • Weniger Mahlzeiten? Wenn der Hund Mahlzeiten überspringt oder wählerisch wird.

Häufige Mahlzeiten hören sich im ersten Moment erst einmal stressig an. Insbesondere, wenn man nebenher noch einem Vollzeitjob nachgeht.

Aus diesem Grund bin ich persönlich großer Fan von solchen automatischen Futterspendern. Stressfreier geht es kaum und dein Hund kann sich stets darauf verlassen.

Wann Hund füttern?

Grundsätzlich wird empfohlen, den Hund vor dem Gassigehen zu füttern. Ein “Richtig” oder “Falsch” gibt es hier aber nicht. Die folgenden Uhrzeiten sind nur beispielhaft.

Hunde nicht nach 17 Uhr zu füttern, halte ich persönlich für unbegründet und zu pauschal. Das stellst du auch spätestens bei den folgenden Empfehlungen fest.

Anzahl der
Mahlzeiten
Mögliche
Uhrzeiten
28 Uhr + 18 Uhr
38 Uhr + 13 Uhr + 18 Uhr
47 Uhr + 11 Uhr + 15 Uhr + 19 Uhr
57 Uhr + 10 Uhr + 13 Uhr + 16 Uhr + 19 Uhr

Sollte dein Hund zu gewissen Uhrzeiten unkonzentriert sein und nicht folgen, dann kann das an mangelnder Energie liegen. Dieser Effekt wurde auch bereits in Studien nachgewiesen.

Bekannt wurde das Phänomen als der “Frühstückseffekt”. Denn Spürhunde können präziser suchen, wenn sie etwas gefressen haben und nicht hungrig sind. [9]

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Kevin

Hey, ich bin Kevin. Von Geburt an war ich mit einem schwarzen Labrador Retriever umgeben. Und mein liebster Schlafplatz als Kleinkind war das vorgewärmte Körbchen meines Hundes. Auf dieser Webseite teile ich meine jahrzehntelange Erfahrung und Leidenschaft für Hunde.

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