Hund hat Angst vor anderen Hunden | Ursachen & Lösung [2024]


Wenn Hunde vor anderen Hunden Angst haben, dann liegt das meist an einer mangelnden Sozialisierung. Unter Umständen können dafür aber auch bestehende Traumas, eine Reizüberflutung, eine gewaltvolle Erziehung oder gar Erkrankungen verantwortlich sein.

Zu erkennen kannst du diese Art der Angst meist an den folgenden Anzeichen:

  • Wegrennen: Bei bestehender Furcht reagieren Hunde instinktiv entweder mit Kampf oder Flucht. Letzteres ist meist ihre erste Wahl.
  • Aggression: Ist eine Flucht nicht möglich, dann reagieren die Vierbeiner häufig ungewöhnlich aggressiv gegenüber anderen Hunden.
  • Eingezogene Rute: Wenn sich der Schwanz des Hundes zwischen den Beinen befindet, dann weist das meist auf Angst und Unsicherheit hin.
  • Zittern: Bei starker Angst wird so viel Adrenalin ausgeschüttet, dass es zu leichten Kontraktionen der Muskeln kommt.
  • Verstecken: Ängstliche Hunde verstecken sich häufig hinter dem Herrchen oder Gegenständen, wenn andere Hunde präsent sind.
  • Fiepen: Hunde kommunizieren bestehende Ängste auch häufig darin, dass sie laut zu fiepen und winseln beginnen.
  • Teilnahmslosigkeit: In Gegenwart anderer Hunde verzichtet dein Vierbeiner plötzlich auf Leckerlis oder gar sein Lieblingsspielzeug
  • Lippenlecken: Das Ablecken der Lippen ist ein Schutzmechanismus, welcher anderen Hunden ihre Unterwürfigkeit zeigt. [2]

Im ersten Schritt gilt es hier zunächst herauszufinden, warum dein Hund vor anderen Hunden Angst hat. Denn das bestimmt, welche Methoden am besten funktionieren.

Aus diesem Grund lernst du im Folgenden über die 7 häufigsten Ursachen und was im konkreten Fall zu tun ist.

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#1 Mangelnde Sozialisierung

Wenn Hunde nicht in frühen Jahren an Menschen oder andere Tiere gewöhnt werden, dann werden sie häufig sehr scheu oder reagieren ungewöhnlich aggressiv.

Frei lebende Hunde werden in der Natur automatisch sozialisiert, da sie stets in Rudeln leben und ganz automatisch anderen Tieren über den Weg laufen.

Bei Haushunden ist das anders. Hier entscheidet der Lebensstil des Herrchens über den Grad der Sozialisierung. Die einzige Lösung? Die Sozialisierung nachholen.

Zugegeben. In jungen Jahren ist es deutlich einfacher und effektiver einen Hund an den Kontakt mit fremden Hunden zu gewöhnen. Im Alter dauert es dagegen etwas länger. [3]

Ängstlicher Hund

Wenn dein Hund also Angst vor anderen Hunden hat, dann solltest du ihn schrittweise an die wahrgenommene “Bedrohung” gewöhnen. Wie?

  • 1) Toleranzschwelle identifizieren: Laufe aus der Ferne mit deinem Hund an der Leine auf einen fremden Hund zu und achte darauf ab welcher Distanz er Angst bekommt.
  • 2) Distanz halten: Bleibe mit deinem Hund so lange in dieser Distanz, bis er sich wohlfühlt. Du kannst auch mit ihm währenddessen spielen.
  • 3) Toleranzschwelle verringern: Gehe anschließend rund 20 % näher und wiederhole Schritt 2 und 3 solange, bis dein Hund angstfrei neben anderen sein kann. [4]

Die gleiche Taktik hilft im Übrigen auch, wenn dein Hund Angst vor fremden Menschen, Autos, Motorrädern oder Kinderwägen hat. Wichtig ist nur, dass du langsam vorgehst.

Eine fehlende Sozialisierung in jungen Jahren kann dazu führen, dass selbst große und starke Hunde gegenüber anderen Hunden Angst bekommen. Hier gilt es den Hund Schritt-für-Schritt an den Kontakt mit anderen Vierbeinern zu gewöhnen.

#2 Reizüberflutung

Häufig vergessen Hundebesitzer, dass die Sinnesorgane von Hunden um ein Vielfaches besser sind als jene von Menschen. Hier die Fakten:

  • Hunde können mit einem Winkel von bis zu 270° um sich herum schauen und sehen selbst in der Nacht rund 5 Mal heller als Menschen. [5]
  • Der Geruchssinn von Hunden ist je nach Rasse bis zu 100.000 Mal besser als der von Menschen. Sie können damit bei Optimalbedingungen bis zu 20 km weit riechen. [6]
  • Das Ohr von Hunden kann selbst Ultraschall-Frequenzen wahrnehmen, die für Menschen unhörbar sind. Zudem hören sie bis zu 4-fach weiter als wir. [7]

Oder anders formuliert: Hunde nehmen nonstop tausende Dinge wahr, die wir weder hören, sehen noch riechen können. Es kommt daher deutlich schneller zur Reizüberflutung.

Die Angst vor anderen Hunden kann demnach auch schlicht darauf zurückgehen, dass dein Hund in diesem Moment zu viele Reize wahrnimmt. Klassische Beispiele sind hier:

  • Aufenthalte im Hundepark
  • Das Leben in dicht besiedelten Großstädten
  • Große Menschenmengen
  • Ungewohnte Umgebung

Die Lösung? Reduziere die Anzahl der Reize, indem du deinen Hund in einem abgelegenen und ruhigen Gebiet an den Kontakt mit einem einzigen Hund gewöhnst. [8]

Anschließend kannst du das Gleiche in einer hektischeren Umgebung mit mehr Menschen wiederholen. Und schließlich auch mit mehreren Hunden.

Am einfachsten ist es mit einem bekannten Hund anzufangen. Sobald dein Hund dann sieht, dass sein “Freund” mit anderen Hunden klarkommt, reduziert das auch seine eigene Angst.

Da die Sinnesorgane von Hunden in fast allen Bereichen den unseren überlegen sind, kommt es bei ihnen deutlich schneller zu einer Reizüberflutung. Das kann dazu führen, dass sie plötzlich vor anderen Hunden Angst bekommen. Hier gilt es die Anzahl der Reize schrittweise zu steigern.

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#3 Bestehende Traumas

Ein Trauma ist eine starke Form einer Angststörung, die primär durch vergangene und traumatische Erlebnisse ausgelöst ein. Hunde reagieren hier gleich wie Menschen.

Wenn beispielsweise dein Hund in der Vergangenheit von einem anderen Hund angegriffen und verletzt worden ist, dann kann sich das auch auf sein künftiges Verhalten auswirken.

Zudem kommt, dass Hunde hormonell gesehen zwei Phasen durchleben, in denen sie ängstlicher sind als sonst. Die erste Phase ist zwischen der 8. und 10. Lebenswoche.

Die zweite Phase findet in Abhängigkeit der Rasse zwischen dem 6 und 14 Monat statt. In diesen Zeitfenstern können selbst Kleinigkeiten große Auswirkungen nach sich ziehen. [9]

Ängstlicher Hund

Das Problem? Dein Hund assoziiert andere Vierbeiner mit Schmerzen und einer negativen Erfahrung. Die Angst vor anderen Hunden ist hier also lediglich ein Schutzmechanismus.

Die Lösung? Sorge dafür, dass dein Hund den Kontakt mit anderen Hunden zunehmend mit etwas Positivem assoziiert. Bewährte Methoden sind hier:

  • Schenke deinem Hund während dem Kontakt extra viel Aufmerksamkeit
  • Gib deinem Hund sowohl vor als auch während dem Kontakt ein Leckerli
  • Pack beim Kontakt mit anderen Hunden das Lieblingsspielzeug aus

Letzteres ist nur zu empfehlen, wenn es beim anderen Hund um keine territoriale Rasse handelt. Denn ansonsten kann es zu Spannungen und aggressiven Verhalten führen.

Zudem solltest du hier geduldig und konsistent sein. Denn es kann eine Weile dauern bis dein Hund den Kontakt mit anderen Hunden mit einer Belohnung assoziiert. [10]

Traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit können dazu führen, dass Hunde aus Selbstschutz vor anderen Hunden Angst haben und flüchten wollen. Hier gilt es die negative Assoziation durch Leckerlis, Aufmerksamkeit und Spielzeuge schrittweise in eine positive zu verwandeln.

#4 Gewalt in der Erziehung

Wenn du Hundebesitzer fragst, ob sie ihren Hund gewaltvoll erziehen, dann sagen 10 von 10 Besitzer ganz klar nein. Die Realität sieht aber anders aus.

Denn Gewalt kann nicht nur körperlich stattfinden, sondern auch verbal. Das gilt insbesondere für sehr sensitive Rassen. Dazu gehören:

  • Labrador Retriever
  • Cavalier King Charles Spaniel
    Border Collie
  • Deutsche Dogge
  • Australian Shepherd
  • Golden Retriever
  • American Pit Bull Terrier [11]

Und ja, Sensitivität hat nicht zwingend etwas mit der Größe zu tun. Hier ist die Angst vor anderen Hunden meist ein Zeichen der Unsicherheit.

Denn weil das Herrchen in der Vergangenheit bereits körperlich oder verbal aggressiv reagiert hat, will der Hund eine solche Reaktion eher vermeiden. [12]

Die Lösung? Fokussiere dich im Training primär auf positive Feedbackmethoden. Beispiele davon sind Leckerlis, Spielzeuge und natürlich Aufmerksamkeit und Zuneigung.

Vor kurzem habe ich auch in einem Seminar gelernt, dass Hunde die Energie ihres Herrchens aufschnappen. Beim Kontakt mit anderen Vierbeinern gilt es also ruhig zu bleiben.

Verbale oder körperliche Gewalt in der Erziehung kann bei Hunden dazu führen, dass sie potenziell problematische Situationen komplett vermeiden wollen. Unter anderem reagieren sie hier häufig auch aus Unsicherheit vor anderen Hunden mit starker Angst.

#5 Unabsichtlicher Trainingsfehler

Beim Training von Hunden gibt es grundlegend zwei Dinge zu berücksichtigen:

  • Hunde wiederholen Verhalten, das belohnt wird.
  • Hunde vermeiden Verhalten, das bestraft wird.

Diese Grundregel erklärt rund 90 % aller Trainingsfehler. Denn auch die Angst vor anderen Hunden kann unabsichtlicherweise erlernt sein. Typische Beispiele davon sind:

  • Nachdem dein Hund vor einem anderen Hund weggerannt ist oder aggressiv reagiert hat, wird er mit Aufmerksamkeit und Leckerlis belohnt.
  • Du schimpfst deinen Hund an, weil er sich beim Kontakt mit anderen Hunden freut, zu spielen beginnt oder Angst bekommt. [13]
Ängstlicher Hund

Die Lösung? Belohne deinen Vierbeiner bereits vor dem Kontakt mit anderen Hunden mit Aufmerksamkeit. Gleichzeitig solltest du bei ängstlichem Verhalten neutral reagieren.

Teilweise vermeiden Hundebesitzer auch jegliche Konfrontationen mit anderen Hunden, um den eigenen Hund davor zu “verschonen”. Die Angst bleibt dadurch aber stets erhalten.

Denn die unbequeme Wahrheit ist, dass Ängste nur dadurch weggehen, wenn man sich ihnen gegenüber stellt. Proaktives Vorgehen ist daher die beste Wahl.

Aus Unwissenheit trainieren viele Hundebesitzer ihren Hunden selbst an, dass sie vor anderen Hunden Angst bekommen. Hier gilt es konsistent das richtige Feedback zu geben, sodass der Hund in Zukunft den Kontakt mit anderen Hunden mit etwas Positivem assoziiert.

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#6 Unterwürfigkeit

Es ist völlig normal und auch sinnvoll, wenn sich Hunde gegenüber dominanteren Vierbeinern unterwürfig verhalten. Denn Hunde bilden instinktiv Hierarchien.

Das haben sie von Wölfen, also ihren Vorfahren, geerbt. Denn Wölfe und auch sonstige Wildhunde leben immer in einer Hierarchie, in welcher der Alpha das sagen hat.

Danach kommen dann die Betas, Deltas und ganz unten in der Hierarchie stehen die Omegas. Die Omegas sind dementsprechend auch jene, die am unterwürfigsten sind.

Hier kommt die Angst vor Hunden dadurch, dass sich dein Hund fälschlicherweise automatisch als Omega einordnet. Typische Ursachen davon sind:

  • Geringes Selbstvertrauen
  • Gewaltvoller Umgang
  • Hund war das unterste Rangmitglied im Wurf
  • Bestehendes Trauma
  • Sehr kleine Hunderasse [14]

Die gute Nachricht? Selbstvertrauen ist keine Charaktereigenschaft, sondern eine erlernbare Fähigkeit. Hier gilt es also proaktiv vorzugehen. Bewährte Methoden dafür sind:

  • Tricks beibringen und dafür loben
  • Verzicht auf negative Feedbackmethoden
  • Bestehende Ängste überwinden
  • Hund in Anwesenheit anderer Hunde loben

Zu diesem Thema kann ich dir auch die Online Hundeschule von Johanna Esser empfehlen. Dort findest du unter anderem ein Modul, das sich ausschließlich diesem Thema widmet.

Einige Hunde ordnen sich selbst instinktiv der tiefsten Position in der Hierarchie zu. Dadurch haben sie automatisch vor allen anderen Hunden Angst und unnötigen Respekt. Die Lösung ist hier das Selbstvertrauen des Hundes durch positive Feedbackmethoden zu stärken.

#7 Bestehende Erkrankungen

In schätzungsweise 99 von 100 Fällen ist Angst ein Verhaltensproblem und geht nicht auf ein medizinisches Problem zurück. Es gibt aber auch Ausnahmen:

  • Demenz

Knapp ⅓ aller Hunde über 10 Jahren sollen an Demenz leiden, wodurch das Gedächtnis immer mehr nachlässt. Für betroffene Hunde wirkt daher alles fremd und ungewohnt. [15]

  • Cushing-Syndrom

Hunde mit einem Cushing-Syndrom produzieren krankheitsbedingt zu viele Stresshormone und befinden sich daher durchgehen im Kampf-oder-Flucht-Modus.

Ängstlicher Hund
  • Eingeklemmter Nerv

Teilweise haben Hunde auch nur vor anderen Hunden Angst, weil der Kontakt mit ihnen große Schmerzen verursachen könnte. Vor allem bei eingeklemmten Nerven ist das der Fall.

  • Verletzungen an der Wirbelsäule

Auch ein Bandscheibenvorfall oder verrenkte Wirbel können beim Kontakt so große Schmerzen bereiten, dass Hunde aus Furcht von anderen Vierbeinern Abstand nehmen.

Bei Verdacht auf etwaige Krankheiten oder Verletzungen rate ich umgehend den Tierarzt aufzusuchen. Das Gleiche gilt auch für den Fall, dass alle vorherigen Methoden wirkungslos waren.

In sehr seltenen Fällen kann die Angst vor anderen Hunden auch auf Verletzungen oder Erkrankungen zurückgehen. Hier gilt es den Tierarzt aufzusuchen und den Hund auf eventuelle Probleme untersuchen zu lassen. Zumeist ist Angst aber ein Verhaltensproblem.

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Kevin Söll

Hey, ich bin Kevin. Von Geburt an war ich mit einem schwarzen Labrador Retriever umgeben. Und mein liebster Schlafplatz als Kleinkind war das vorgewärmte Körbchen meines Hundes. Auf dieser Webseite teile ich meine jahrzehntelange Erfahrung und Leidenschaft für Hunde.

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