Hören Hunde lauter als Menschen? Neue Studien [2021]


Hunde hören Geräusche mit einer Lautstärke von -15 Dezibel, welche für Menschen unhörbar sind. Warum sie lauter hören geht im Wesentlichen auf ihre größere Ohrmuschel sowie ihre Fähigkeit zurück, ihre Ohren perfekt zur Schallquelle auszurichten.

Grundsätzlich wird die Lautstärke eines Geräuschs in Dezibel gemessen. Töne mit einer Lautstärke von 0 Dezibel oder geringer sind für uns Menschen nicht hörbar.

Der Unterschied zwischen 0 und -15 Dezibel ist dagegen gewaltig. Denn die Dezibel-Skala ist logarithmisch. 20 Dezibel sind also doppelt so laut wie 10 Dezibel.

Hunden wird deshalb nachgesagt, dass sie rund 4-fach weiter in die Ferne hören. In Wirklichkeit ist die Hörweite jedoch massiv von der jeweiligen Frequenz abhängig.

Zudem mögen Hunde zwar lauter als Menschen hören, aber dafür können wir tiefere Töne besser wahrnehmen und Schallquellen präziser lokalisieren.

Aussagen wie “Hunde hören X-fach besser als Menschen” sind daher Unsinn. In welchen Bereichen Hunde besser sind und wo nicht, lernst du hier: Gehörsinn von Hunden vs. Menschen.

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Warum hören Hunde lauter als Menschen?

Die Ohren von Hunden wirken anatomisch bedingt wie ein Verstärker. Was sich für uns leise anhört, ist für viele Hunde daher bereits zu laut. Das hat drei primäre Gründe:

#1 Größere Ohrmuschel

Die Ohrmuschel eines ausgewachsenen Menschen misst meist zwischen 6,1 und 7,2 cm. Der internationale Durchschnitt liegt hier bei 6,3 cm. [1]

Bei Hunden schwanken die Werte in Abhängigkeit der Rasse dagegen von 3,2 bis hin zu 34,5 cm. Sie haben also eine bis zu 5,5-fach größere Ohrmuschel.

Da die Ohrmuscheln als “Trichter” für Schallwellen fungieren, kommen daher auch deutlich mehr Schallwellen im Ohr des Hundes an.

Ohrlänge bei Hunden und Menschen
Bild darf unter diesen Richtlinien verwendet werden.

Der Effekt ist im Übrigen damit vergleichbar, wie wenn du mit deiner Handfläche deine eigene Ohrmuschel vergrößerst.

#2 Biege- und Drehfunktion der Ohren

Bei Menschen sind die Ohren starr zur Seite fixiert und leicht nach vorne gebogen. Wir besitzen zwar über 6 Muskeln zur Ausrichtung der Ohren, die Wirkung ist allerdings minimal.

Töne von der Seite (70°) sind für uns daher am besten hörbar. Deshalb drehen wir auch instinktiv den Kopf zur Seite, um etwas lauter zu hören.

Hunde besitzen dagegen über satte 18 Muskeln am Ohr. Damit können sie ihre Ohren drehen, heben, senken und biegen, um sie perfekt zur Schallquelle auszurichten.

Im Gegensatz zu Menschen können sie zudem beide Ohren völlig unabhängig voneinander steuern, um selbst mehrere Töne gleichzeitig präzise wahrzunehmen. [2]

Lediglich Katzen mit ihren 30 Muskeln können Hunde hier noch toppen.

#3 Ort der Ohren

Die Ohren von Menschen befinden sich seitlich und sind auf Höhe der Kopfmitte. Bei Hunden befinden sich die Ohren stattdessen auf dem Kopf.

Es gibt allerdings einen Grund, warum man Solaranlagen und Satellitenschüsseln zumeist auf dem Dach und nicht zur Seite installiert. Der Empfang ist dort schlicht am besten.

In Kombination mit der Drehfunktion können Hunde damit problemlos im 360° Winkel hören. Menschen hören dagegen Geräusche in einem 140° Winkel am lautesten.

Geräusche von hinten, also bei 180°, sind für uns folglich am schwersten akustisch wahrzunehmen.

Hörfeld von Hunden im Vergleich zu Menschen
Bild darf unter diesen Richtlinien verwendet werden.

So paradox es zunächst auch klingen mag: Menschen sind dennoch besser im Lokalisieren eines Geräuschs. Ganze 8 Mal besser, um genau zu sein. [3]

Das liegt allerdings nicht am Ohr selbst, sondern an der Signalverarbeitung im Gehirn. Unsere “Rechenleistung” ist schlicht um ein Vielfaches größer als die von Hunden.

Hunde hören lauter als Menschen, da sie über eine größere Ohrmuschel verfügen und diese durch ihre Position und ihre Muskeln frontal zur Schallquelle ausrichten können. Sie können damit Töne hören, die für das menschliche Ohr unhörbar sind.

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Wie viel lauter hören Hunde als Menschen?

Hunde hören durchschnittlich zwischen 1,6 und 2,4-fach lauter als Menschen. Diese Multiplikatoren können allerdings auch unter gewissen Voraussetzungen stark schwanken.

Denn die wahrgenommene Lautstärke ist von den folgenden 7 Faktoren abhängig:  

  • 1) Ohrform

Hunde mit Schlappohren hören grundsätzlich schlechter als Hunde mit abstehenden Ohren. Denn anstatt die Schallwellen zu trichtern, blockieren sie den Eingang zum Gehörgang. [4]

  • 2) Ohrlänge

Die Länge der Ohren spielt nur dann eine Rolle, wenn es sich um Stehohren handelt. Denn dann können durch die zusätzliche Länge mehr Schallwellen konzentriert werden.

Auch wenn der Bloodhound mit seinen Schlappohren von knapp 35 cm Länge der Weltrekordhalter unter Hunden ist, so ist sein Gehör vergleichsweise schlecht. [5]

  • 3) Frequenz

Menschen können lediglich Töne mit einer Frequenz von 20 Hz bis 20 kHz hören. Für Hunde sind dagegen auch Geräusche zwischen 67 Hz und 45 kHz hörbar. [6]

Sie hören also deutlich höhere, aber dafür etwas weniger tiefe Töne. Das haben sie im Übrigen von Wölfen – ihren Vorfahren – geerbt.

Denn sowohl zum Schutz vor fremden Raubtieren als auch für die Jagd nach Nagetieren ist es für sie essenziell, auch Überschall wahrzunehmen. Also Frequenzen über 20 kHz.

Hörbare Frequenzen von Menschen und Hunden
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Am lautesten hören Hunde Frequenzen zwischen 4 und 16 kHz. Menschen sind dagegen bei Tönen zwischen 2 und 5 kHz am sensitivsten. [7, 8]

Auch das hat evolutionäre Gründe. Denn Wildtiere und sonstige Beutetiere geben in aller Regel Geräusche in dieser Frequenzbreite von sich. 

Mit zwischen 85 und 255 Hz sind Männer- und Frauenstimmen daher für Hunde relativ schlecht hörbar. [9]

  • 4) Alter

Sowohl bei Menschen als auch bei Hunden nimmt die Hörfähigkeit im Alter ab. Sowohl die Lautstärke als auch der hörbare Frequenzbereich wird geringer.

Zum Vergleich: Während Kinder bis zu 20 kHz hoch hören, nehmen Erwachsene meist nur noch rund 15 kHz akustisch wahr. [10]

  • 5) Rasse

Wach- und Schäferhund hören grundsätzlich am lautesten. Denn sie wurden in der Vergangenheit speziell darauf trainiert, aufmerksam zuzuhören.

Am besten hören übrigens die nachfolgenden Rassen:

#1 Labrador Retriever#4 Amerikanischer Cocker Spaniel#7 Chihuahua
#2 Deutscher Schäferhund#5 Golden Retriever#8 Zwergpinscher
#3 Pudel#6 Boston Terrier#9 Schnauzer [11]
  • 6) Sinneswahrnehmung

Grundsätzlich gilt: Desto weniger Sinnesorgane ein Lebewesen benutzt, desto schärfer sind diese ausgeprägt. Hunde mit einer Riech- oder Sehstörungen hören daher tendenziell lauter.

  • 7) Genetik

Hunde sind statistisch rund 3,4-fach häufiger taub als Menschen. Genauer gesagt sollen rund 10% aller Hunde und nur 3% aller Menschen davon betroffen sein. [12, 13]

Wie viele Hunde taub sind im Vergleich zu Menschen
Bild darf unter diesen Richtlinien verwendet werden.

Einige Hunde sind Studien zufolge besonders häufig von Geburt an taub. Die folgenden 8 Rassen sind hiervon statistisch am häufigsten betroffen:

HunderasseEinseitig taubBeidseitig taubInsgesamt taub
Louisiana Catahoula Leopard Dog17%22%39%
Dalmatiner21%7%28%
Dogo Argentino21%6%27%
Australian Cattle Dog12%3%15%
English Setter10%2%12%
Bullterrier10%1%11%
Boston Terrier5%4%9%
Jack Russel Terrier5%3%8%
[14]

Spätestens jetzt wird klar, warum pauschale Aussagen zur Lautstärke unsinnig sind. Um dennoch eine grobe Einschätzung zu bekommen, kann der folgende Test helfen.

Im Durchschnitt hören Hunde bis zu 2,4-fach lauter als Menschen. Die tatsächliche Lautstärke ist jedoch abhängig von der Ohrform, der Ohrlänge, der Frequenz sowie dem Alter. Zudem spielt auch die Rasse, die Sinneswahrnehmung und die Genetik eine zentrale Rolle.

Selbsttest: Wie laut hört dein Hund?

Um ein Gefühl für die tatsächliche Hörleistung deines Hundes zu bekommen, kann der folgende Selbsttest helfen.

Gehe dafür alle 4 Kategorien schrittweise durch und addiere die Punktzahl.

Kategorie20 Punkte25 Punkte30 Punkte
Alter> 10 Jahren5-10 Jahre< 5 Jahren
RasseSonstigeSchäferhundWachhund
Ohrlänge< 5 cm5-15 cm>15 cm
OhrformSchlappohrenMischungRunde Stehohren

Bei richtiger Rechnung müsstest du auf eine Zahl zwischen 80 und 120 gekommen sein. Um wie viel lauter dein Hund in etwa hört, kannst du in der folgenden Tabelle ablesen.

GesamtpunktzahlMultiplikator
801,6
851,7
901,8
951,9
1002,0
1052,1
1102,2
1152,3
1202,4

Wichtig: Bei diesen Zahlen handelt es sich um Durchschnittswerte. Die tatsächliche Lautstärke hängt massiv von der jeweiligen Frequenz ab.

Alternativ kannst du auch einen sogenannten “BAER”-Test beim Tierarzt machen. Damit kann die Hörfähigkeit mittels kleiner Elektroden völlig schmerzfrei getestet werden.

Durch die Bestimmung des Alters, der Rasse, der Ohrlänge sowie der Ohrform kann die Hörfähigkeit von Hunden grob eingeschätzt werden. Für ein genaueres Ergebnis führt jedoch kein Weg an einem BAER-Test vorbei. 

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Ist laute Musik schädlich für Hunde?

Bei Menschen befindet sich die akustische Schmerzgrenze bei 140 Dezibel. Bei Hunden ist diese dagegen bereits bei 85 Dezibel erreicht. [15]

Wenn wir Menschen daher Musik als “laut” wahrnehmen, dann überschreitet es bereits häufig die Schmerzgrenze von Hunden und führt zu permanenten Hörschäden.

In der folgenden Tabelle wird die wahrgenomme Lautstärke zwischen Menschen und Hunden verglichen:

DezibelFür MenschenFür HundeBeispiel
-15unhörbarFast unhörbarLaufender Käfer
-10unhörbarhörbarBewegung einer Schlange
0unhörbarleiseFallendes Blatt
10Fast unhörbarleiseAtmung
20hörbarGut hörbarRaschelnde Blätter
30Sehr leiseGut hörbarFlüstern
40Sehr leiseGut hörbarRegen
50leiseGut hörbarKühlschrank
60leiseLautMenschliche Stimme
70Gut hörbarUnangenehm lautAuto
80Gut hörbarExtrem lautLastwagen
85LautSchmerzgrenzeVioline
90LautPermanenter HörschadenBohrmaschine
100Unangenehm lautPermanenter HörschadenDüsenjet
110Unangenehm lautPermanenter HörschadenKettensäge
120Extrem lautPermanenter HörschadenPolizeisirene
130Extrem lautPermanenter HörschadenGewitter
140SchmerzgrenzePermanenter HörschadenFeuerwerk
150Permanenter HörschadenPermanenter HörschadenPistolenschuss
160Permanenter HörschadenPermanenter HörschadenSchrotflinte
170Permanenter HörschadenPermanenter HörschadenRaketenstart
180Permanenter HörschadenPermanenter HörschadenVulkanausbruch

Die obige Tabelle erklärt im Übrigen auch, warum für Hunde Silvester häufig eine Qual ist. Denn die Lautstärke des Feuerwerks befindet sich jenseits der Schmerzgrenze.

Da die Dezibel-Skala logarithmisch verläuft, sind für Hunde auch bereits ein Großteil der alltäglichen Haushaltsgeräte zu laut.

Bei Hunden ist die akustische Schmerzgrenze bereits bei 85 Dezibel erreicht. Bei Menschen liegt diese bei 140. Laute Musik löst daher bei Hunden nicht nur akustischen Stress aus, sondern kann auch zu permanenten Hörschäden führen.

Wie verhalten sich Hunde bei zu lauten Geräuschen?

Geräusche mit einer Lautstärke von über 85 Dezibel sind für Hunde schmerzhaft. Glücklicherweise sind die Anzeichen davon klar erkennbar. Typische körperliche Symptome sind hier:

Darüber hinaus machen sich zu laute Geräusche auch häufig verhaltenstechnisch bemerkbar:

  • Hund versteckt sich
  • Vermeidung von Augenkontakt
  • Dauergebell
  • Wildes Umherrennen
  • Jaulen [17

Beim Auftreten dieser Symptome solltest du (wenn möglich) den Geräuschpegel senken. Falls das nicht möglich ist, kannst du auch alternativ die Distanz zum Hund vergrößern.

Maßnahmen zur Reduzierung lauter Geräusche bei Hunden
Bild darf unter diesen Richtlinien verwendet werden.

Ist beides nicht möglich, wie beispielsweise an Silvester, dann kann ein Gehörschutz weiterhelfen. Für Hunde sind die zwei folgenden Modelle geeignet:

  • Mutt Muffs® – Kosten: ~ 80€
  • Rex Specs Ear Pro® – Kosten: ~ 90€

Beide Arten sind speziell für Hunde entwickelt worden. Sie sind deshalb so konzipiert, dass sie weder selbständig herunterfallen, noch vom Hund selbst entfernt werden können.

Bei einer Lautstärke von über 85 Dezibel verhalten sich Hunde meist gestresst. Zu den typischen Symptomen gehört eine gebückte Körperhaltung, Nervosität sowie ständiges Jaulen. Mithilfe eines Gehörschutzes kann der akustische Stress jedoch vermindert werden.

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Kevin

Hey, ich bin Kevin. Von Geburt an war ich mit einem schwarzen Labrador Retriever umgeben. Und mein liebster Schlafplatz als Kleinkind war das vorgewärmte Körbchen meines Hundes. Auf dieser Webseite teile ich meine jahrzehntelange Erfahrung und Leidenschaft für Hunde.